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fluxus 22. Hans Ulrich Gumbrecht. 1926. Ein Jahr im Kopf.
4. März bis 26. August 2012
Wie werden vergangene Zeiten gegenwärtig? Welche Rolle spielen dabei das Hören, Sehen und Riechen, das Anfassen und Lesen, das Schreiben und Zeichnen? Hans Ulrich Gumbrecht hat die Materialien zu seinem Buch über »ein Jahr am Rand der Zeit« in fünf Kartons nach Marbach geschickt. Zeitreisekoffer, in denen die Techniken der Präsenzerzeugung augenfällig werden, das Kondensieren von Tagen und Wörtern, von Listen, Gruppen und Formeln: »Ich brauche, um es als Paradox zu formulieren, Klarheit in meinem Kopf, um eine Zeit als labyrinthische Zeit vergegenwärtigen zu können. Vielleicht nimmt die räumliche Struktur meiner Notizen die Räumlichkeit als Dimension von ›Präsenz‹ vorweg. Das 26er-Buch entstand zu weiten Teilen in meinem Büro im Stanford Humanities Center in großer Ruhe und Abgeschiedenheit. Ich hatte einen kleinen Kalender von 1926, mit dem ich dieses Jahr in meine Gegenwart holte. Der Kalender sagte mir zum Beispiel: Heute wäre 1926 ein Dienstag gewesen und nicht ein Freitag. In dem Jahr, als ich das Buch schrieb, habe ich fast nur Musik von 1926 gehört, vor allem Tangos von Carlos Gardel. Borges hat einmal gesagt, dass die große Geschichte des Tangos 1926 vorbei war, weil sich die Aufnahmetechnik verbesserte und man die Melodien ohne Kratzgeräusche hören konnte.« Im Rahmen der großen Ausstellung zu 1912. Ein Jahr im Archiv werden erstmals Materialien aus dem Vorlass von Hans Ulrich Gumbrecht ausgestellt, »einem der wenigen deutschen Geisteswissenschaftler, die weltweit Gehör finden« (DIE ZEIT). Videomitschnitt der Eröffnung
Der kleinste Raum im LiMo wechselt mehrmals jährlich sein Gesicht: Persönliche Blicke auf die Literatur, provoziert durch Fundstücke oder eigens hergestellte Exponate. Bestandteil dieses Raums ist das gefilmte Gespräch mit externen Kuratoren: Schriftstellern wie Albert Ostermaier, Rainald Goetz und Günter Grass, Sibylle Lewitscharoff, Martin Mosebach und Heinrich Steinfest, Verlegern wie Klaus Wagenbach und Michael Klett, Literaturkritikern und -wissenschaftlern wie Sigrid Löffler und Hanns Zischler, aber auch Besuchern wie den Studenten der Internationalen Marbacher Somerschule. fluxus-Archiv


