Museum
Ausstellungen
2012 ÖFFNEN
Kassiber. Verbotenes Schreiben. 27. September bis 27. Januar 2013
Schreiben ist oft der einzige Weg, sich unter extremen Bedingungen seiner menschlichen Würde zu versichern. »Gott wird mir Gerechtigkeit verschaffen«, ritzt der Graf von Monte Christo in seine Kerkerwand. Große Texte wie Der Trost der Philosophie von Boethius, de Sades 120 Tage von Sodom, Oscar Wildes De profundis und Ezra Pounds Pisaner Cantos sind im Gefängnis entstanden. Cervantes dachte sich den Don Quijote als Sklave auf einer Galeere aus, Dostojewski Das Totenhaus und Ovid seine Tristia in der Verbannung. Das Manuskript von Pasternaks Doktor Schiwago wurde in den Westen geschmuggelt, um verlegt werden zu können. Christian Daniel Schubart dichtete Die Forelle auf dem »Tränenberg« der Schwaben, dem Hohenasperg. Friedrich Schiller verschlüsselte seine Briefe auf der Flucht aus Schwaben. Die internationale Schriftstellervereinigung P.E.N. unterhält seit 1960 ein eigenes Writers-in-Prison-Committee. Die Ausstellung folgt den Spuren des verbotenen Schreibens und des Schreibens als Ausweg bis in unsere heutige Zeit der »Facebook-Revolutionen«.
2013 FINDEN
Zettelkästen. Maschinen der Phantasie. Zum 250. Geburtstag von Jean Paul. 28. Februar bis 15. September
In seinem »aus fünfzehn Zettelkasten gezogenen« Leben des Quintus Fixlein entwirft Jean Paul eine Architektur der Phantasie: »Gedächtnis ist nur eine eingeschränktere Phantasie. Erinnerung ist nicht die bloße Wahrnehmung der Identität zweier Bilder, sondern sie ist die Wahrnehmung der Verschiedenheit des räumlichen und zeitlichen Verhältnisses gleicher Bilder. Die fünf Sinne heben mir außerhalb, die Phantasie innerhalb meines Kopfes einen Blumengarten vor die Seele; jene gestalten und malen, diese tut es auch; jene drücken die Natur mit fünf verschiedenen Platten ab, diese liefert sie alle mit einer«. In Zettelkästen werden Lesefrüchte und Schreibeinfälle gesammelt und einsortiert, vernetzt und verschachtelt und – durch Glücksaufschläge, Buchstaben- oder Zahlencodes – immer wieder in neue Zusammenhänge gebracht. Eine große Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne stellt einige der berühmtesten Maschinisten solcher Phantasiemaschinen in den Mittelpunkt. Sie zeigt, wie die Zetteleien u.a. von Jean Paul, Arno Schmidt, Walter Kempowski, Hans Blumenberg, Niklas Luhmann, Reinhart Koselleck und Aby Warburg im Inneren funktionieren. Wie sind sie angelegt, durch was werden sie in Gang gesetzt, wohin führen sie, wenn man den Instrumenten und Bausteinen der Phantasie auf der Spur ist? Wie entwirft man etwas? Wie erinnert man sich? Wie lässt man es denken und schreiben? Die Geschichte des verzettelten Lesens, Denkens und Schreibens wird dabei ebenso thematisiert wie die flacheren Architekturen solcher Phantasiemaschinen: das Notizbuch, der digitale Zettelkasten und das Diagramm. Ein einmaliges Panorama der Imagination, des Lesens, Sammelns, Denkens und Schreibens entsteht.
1914. Literatur und Krieg. 3. Oktober 2013 bis 30. März 2014
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren ist Anlass eines einmaligen Forschungs- und Ausstellungsprojekts: Drei wichtige europäische Institutionen – die Bodleian Library Oxford, die Bibliothèque nationale et universitaire Strasbourg und das Deutsche Literaturarchiv Marbach – legen den Fokus auf ein für die europäische Literatur bedeutsames Jahr und tauschen dazu Exponate aus ihren Sammlungen aus. Franz Kafka beginnt im Sommer 1914 seinen Roman Der Process, James Joyce den Ulysses und Ludwig Wittgenstein den Tractatus. Im Marbacher Literaturmuseum der Moderne liegt nach der Ausstellung 1912. Ein Jahr im Archiv der Schwerpunkt auf Monatsschnitten. Der August 1914 ist die Linie, von der die darauffolgenden vier Jahre entdeckt werden. Der Krieg bringt die alte literarische Welt zum Einsturz und setzt poetische und philosophische Energien frei. Viele Dichter fallen, manche finden im Krieg auch erst ihr ästhetisches System, andere können sich entziehen. Die Nachlässe u.a. von Franz Kafka, Alfred Döblin, Hermann Hesse, Gottfried Benn, Kurt Tucholsky, Gustav Sack, Ernst Jünger, Harry Graf Kessler, Rainer Maria Rilke und Ernst Stadler erlauben sehr unterschiedliche Perspektiven auf den ersten Weltkrieg der Geschichte.
2014 STELLEN
Heidegger. Technik, Sprache, Dichtung. 11. Mai bis 12. Oktober 2014
Die Reise. November 2014 bis März 2015
2015 SAGEN
Der literarische Raum. Wort, Ton und Bild im 21. Jahrhundert. April bis September 2015
Unverhofftes Wiedersehen. Literatur jenseits des Buchs. Oktober 2015 bis März 2016
2016 BILDEN






